Kriminelle Piresen raus!

Das ungarische Meinungsforschungsinstitut Tárki hat Untersuchungen zur Xenophobie in Ungarn angestellt. Die Ergebnisse sind erschreckend: 68% der Befragten sprechen sich gegen die Einwanderung von Piresen nach Ungarn aus. Zwischen der ersten Umfrage im Juni 2006 und der zweiten im Februar 2007 stieg die Piresenfeindlichkeit der Ungarn sogar um weitere 9%. Während sich bei der ersten Umfrage besonders Arbeitslose mit geringer Bildung als piresenfeindlich herausstellten, verlagerte sich das Gewicht bei der Umfrage im Februar auf Linke, Gebildete und Wohlhabende.

piresen_rausGusztàv Megyesi kommentiert dies im linksliberalen Wochenblatt Élet és Irodalom:

Überraschenderweise werden die Piresen ausgerechnet von Linken und den wohlhabenden Bewohnern Westungarns gehasst. Sie hassen die Piresen in erster Linie, weil sie keinen einzigen Piresen kennen. Persönliche Begegnungen würden ihnen vielleicht helfen, Vorurteile abzubauen… (euro|topics)

Mit den von Satiriker Megyesi geforderten „persönlichen Begegnungen“ gibt es nur ein Problem: Es gibt keine Piresen. Das Meinungsforschungsinstitut hat sie extra für die Umfrage erfunden und damit auf den Punkt gebracht, wie irrational Fremdenfeindlichkeit ist. Ein ziemlich guter Einfall, von dem sich andere Umfrageinstitute hoffentlich inspirieren lassen. Vielleicht bekommen auch die Deutschen irgendwann ihre Piresen.

Telepolis über das Google-Copy-Paste-Problem


Telepolis-Buch

Stefan Weber

Das Google-Copy-Paste-Syndrom

Wie Netzplagiate Ausbildung und Wissen gefährden

Verlag Heinz Heise
192 Seiten, Broschur
16,- EUR (D) / 16,50 EUR (A) / 28,- sFr
ISBN-10 3-936931-37-2
ISBN-13 978-3-936931-37-2

Wenn rund dreißig Prozent der Studierenden bei Umfragen zugeben, dass sie Textklau aus dem Internet betreiben, dann läuft etwas aus dem Ruder. Die gegenwärtig grassierende Copy-Paste-Mentalität bedroht die gesamte wissenschaftliche Textkultur. Ein grundlegender Wandel der Kulturtechnik zeichnet sich ab: von der eigenen Idee und der eigenen Formulierung hin zur „Umgehung des Hirns“ und zur Textbearbeitung bereits vorhandener Segmente im Web.

„Das Google-Copy-Paste-Syndrom“ ist das erste deutschsprachige Sachbuch, das sich dem Kopieren-und-Einsetzen-Phänomen und den Folgen des Google-Wikipedia-Wissensmonopols widmet. Der Autor beobachtet kritisch die Ergoogelung der Wirklichkeit und die fortschreitende Austreibung des Geistes aus der Textproduktion. Er fragt, wie die Medienwissenschaft auf dieses Problem – wenn überhaupt – reagiert.

Netzplagiate gefährden Ausbildung und Wissen. Cyber-Neusprech oder „Weblisch“, Chat- und SMS-kontaminiertes Bewusstsein, affirmative Bagatelle-Forschung, Technophilie und Bullshit-PR für neue Medien schaffen zudem ein Milieu, in dem eine Kritik des Internets und seiner Verwendung systematisch ausgeblendet wird.

Dieses Buch richtet sich nicht nur an Lehrende in Schulen und Universitäten, die sich mit diesem neuen Problem konfrontiert sehen. Es ist so geschrieben, dass es auch für ein breites Publikum, das die neuen Medien verwendet, eine kritische Lektüre bietet.

Siehe auch: [externer link]Textueller Missbrauch
Plagiarismus, Redundanz, Bläh-Rhetorik: Zur Krise der Kulturwissenschaften durch den Einzug des Copy/Paste-Paradigmas

Zu Bestellen beim [externer link]dpunkt.verlag oder bei [externer link]eMedia

[interner link]Weitere TELEPOLIS-Bücher

Der Zukunfstwahn der NPD

Jetzt distanziert sich sogar schon die NPD von Ernst Zündel. Der Regensburger NPD-Kreisverband wollte gestern eigentlich unter dem Motto „Gesinnungsterror stoppen – Freiheit für Ernst Zündel“ demonstrieren, hat seine Solidarität mit dem verurteilten Holocaustleugner aber nicht öffentlich machen dürfen. Die Demo wurde nicht erlaubt – für mich ein klarer Fall von Gesinnungsterror. Der bayerische Landesgeschäftsführer der NPD, Axel Michaelis aus Bamberg1, ist vom Alleingang der Regensburger überrumpelt und wahrscheinlich auch ein bisschen froh, dass die Sache nicht stattfindet:

„Ich bin froh, dass die Sache nicht stattfindet“, sagte am Freitag NPD-Landesgeschäftsführer Axel Michaelis auf MZ-Anfrage. […] Die NPD wolle sich mit „Zukunftsthemen“ beschäftigen, nicht ständig mit der Vergangenheit. (MZ)

ufoboyZukunftsthemen. NPD. Großartig.
Die etablierten Parteien können sich endgültig warm anziehen, wenn die NPD mit ihrer bayerischen Speerspitze den Run, Verzeihung, Lauf auf die herrschenden politischen Kasten beginnt. Falls man sich tatsächlich auf Zukunftsthemen konzentrieren will, wäre es doch ein Anfang, die Schulhof-CDs durch Downloadcodes für mp3-Portale zu ersetzen. Ich meine natürlich weltnetzspezifische Runterladekennzeichen zur Erlangung von elektronischen Musikdateien.

Vor dem diesem Hintergrund ist es eine entsetzliche Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet Zündel dem Zukunftswahn der NPD zum Opfer fällt. Bereits in den 70ern, als zukunftsgeile Typen wie Axel Michaelis noch im Laufstall randalierten, machte Zündel die Nazis zukunftsfähig, indem er ihnen UFOs als Geheimwaffe andichtete. Also nachwies. Großes Kino sind hier zum Beispiel der UFO-Forscher-Ausweis oder seine 9999 Dollar teure Expedition zum Südpol: Um Hitler zu suchen, der mit den reichsdeutschen UFOs über den Zugang am Südpol möglicherweise in das Innere der Hohlerde geflohen sei. Mit UFOs in das Innere der Hohlerde. Mehr Zukunft geht nicht.

Das muss das junge Gemüse erstmal toppen.

  1. Michaelis sollte im Jahr 2000 übrigens schon einmal als V-Mann angeworben werden. Die Sache scheiterte jedoch, er war sozusagen überqualifiziert. [zurück]

„Yiddos“

Lizas Welt schreibt über ein Thema, dem ich mich beizeiten auch schon annehmen wollte: Die Tottenham Hotspurs werden von gegnerischen Fans schon fast traditionell antisemitisch beschimpft (die für „Juden“ stehende Bezeichnung „Yids/Yiddos“ ist noch vergleichsweise harmlos). Um den „Schmähungen“ ihre Wirkung zu nehmen nimmt man diese positiv an und betitelt sich unter anderem als „Yid Army“.1

Aufhänger des lesenswerten Artikels sind antisemitische Gesänge beim Spiel West Ham United gegen die Spurs am vergangenen Sonntag. Die Polizei ermittelt bereits in dieser Sache.

  1. Die gleichen Verhaltensmuster sind übrigens von Ajax Amsterdam und seinen Anhängern bekannt. [zurück]

Mein Beitrag zur Prokrastinationsdebatte

Pudel:
pudel

Original:
basilikum_1

Fälschung I:
basilikum_1.3

Fälschung II:
basilikum_1.2