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Vorsicht, Dekadenz

jomouDie FAZ berichtet über die sportliche und finanzielle Dominanz der Premier League. „Abzocker und Agenten fressen sich fett“, die Zahlungen hinter den Kulissen nehmen „dekadente Dimensionen“ an. „Trainerstars“ wie der links abgebildete Mourinho kommen „in Scharen auf die Insel“.
Danke für die Aufklärung, FAZ, egalitäres Organ des kleinen Mannes und Anwalt der Schwachen.

Dass Carew von Lyon zu Aston Villa geht ist aber tatsächlich lächerlich.

Danke an den dekadenten sven für den Hinweis.

Der „Meister“ ist geschlagen

Wie schon angekündigt durfte sich der privilegierte Premiere-Abonnent an diesem Wochenende auf zwei erstklassige Premier League-Begegnungen freuen.
Am Samstag empfing Liverpool Chelsea an der Anfield Road. Das ansehnliche Spiel geriet zu einer Blamage für die Blues. Bereits nach 18 Minuten lagen sie 2-0 zurück (Kuyt 4′, Pennant 18′ – Hammertor), und daran sollte sich im Verlauf des Spiels auch nichts mehr ändern – eher zum Glück für Chelsea. Das Missverständnis zwischen Ballack und Drogba bei einem Freistoß ist beispielhaft für diese verkorkste Partie. Chelseas aktuelle Formschwäche dürfte nicht unwesentlich von der momentanen Unruhe an der Stamford Bridge beeinflusst sein.

Doch wenden wir uns dem wirklich interessanten Spiel zu: Arsenal gegen Manchester United. Vor diesem Spiel war Arsenal die Mannschaft, die den ansonsten sehr souverän wirkenden Reds die erste von erst zwei Niederlagen in dieser Saison verpassen konnte – und zwar in Manchester (Adebayor 86′).
Der Ausgang des Rückspiels im Emirates Stadium war angesichts ManUs Dominanz in der Liga und Arsenals Stärke gegen gute Mannschaften1 schwer vorherzusagen. Doch nach Liverpools Sieg über Chelsea war klar, dass eine Niederlage der Reds gegen Arsenal die vier ersten Plätze der Premier League noch einmal zusammenrücken lassen würde.

In den ersten Minuten des Spiels deutete sich ein leichter Vorteil für ManU an, der aber mit der Zeit durch eine engagierte Spielweise der Gunners ausgeglichen wurde. Als es dann kurz vor dem Halbzeitpfiff noch zu einigen hochkarätigen Chancen für ManU kam, konnten beide Mannschaften mit dem 0-0 zur Pause zufrieden sein.
Doch acht Minuten nach Beginn der zweiten Halbzeit köpfte Rooney nach einer Flanke von Evra zum 0-1 ein. Inwieweit die versehentliche Verlängerung der Flanke durch Toure und der Stellungsfehler vom ansonsten sehr sicheren Clichy das Tor mitverschuldet haben, kann ich nicht sagen. Vermutlich hätte Rooney ihn auch so reingemacht.
Nach dem Tor zogen sich die Reds etwas aus dem Spielgeschehen zurück, während die Gunners alles daran setzten, noch den Ausgleich zu erzielen. Das wird unter anderem an den Auswechselungen deutlich: van Persie für Hleb in der 67′ und Baptista für Flamini in der 79′. Im Gegensatz zum eher unauffälligen Baptista fügte sich van Persie gut in die immer druckvollere Spielweise ein, und das sollte nicht ohne Folgen bleiben. In der 83′ flankt Eboue rein, Henry will den Ball reinzaubern, verlängert ihn aber mit der Hacke zu van Persie, der ihn aus ein paar Metern ins Tor knallt.2 Endlich der Ausgleich, endlich das Tor, dass sich zuvor mit vielen vergeblichen Torschüssen angekündigt hatte.
Erstaunlicherweise war auch nach diesem Tor das gleiche Verhalten bei beiden Mannschaften zu beobachten: ManU spielte, als wären sie mit dem einen Punkt zufrieden (90′ Heinze für Ronaldo), während Arsenal weiter Druck machte. Doch mittlerweile waren auch die vier Minuten Nachspielzeit fast um, und in Gedanken hatte der geneigte Zuschauer schon die Toilette aufgesucht. Plötzlich kann Eboue in einem Kraftakt erneut eine Flanke schlagen, Henry ist in der Mitte nicht ausreichend gedeckt und macht in der 93′ eines seiner raren Kopfballtore. Unglaublich.

Die Situation in der Tabelle hat sich für Arsenal und Liverpool dem entsprechend gebessert. Die ersten vier sind, wie vor diesem Wochenende erhofft, etwas zusammengerückt. Ernsthafte Hoffnungen auf die Meisterschaft kann sich aber weiterhin nur Chelsea machen – neben ManU natürlich. Nach langen Gesprächen haben Arsene Wenger und ich uns geeinigt, genau diese Tatsache einfach zu akzeptieren. In der Öffentlichkeit wird der Trainer sich natürlich gegenteilig verhalten und anfangen, große Töne über den jetzt in greifbare Nähe gerückten Titelgewinn zu spucken. Das gehört dazu, und besonders Wenger sieht sich gern in der Rolle des Propheten. Hinter verschlossenen Türen ist den Eingeweihten jedoch klar, dass die Meisterschaft auch nach diesem Wochenende für Arsenal nicht erreichbar ist. Das Ziel ist also, die Saison mit dem dritten Platz zu beenden, alles andere ist utopisch – es kommen immerhin auch wieder schwächere Gegner.

  1. Allein die letzten Begegnungen in der Premier League:
    ManU 0-1 Arsenal
    Arsenal 3-0 Liverpool
    Chelsea 1-1 Arsenal
    [zurück]
  2. Dabei, so stellt sich nach dem Spiel heraus, bricht er sich „den fünften Mittelfussknochen“ und fällt, nachdem sein Einsatz gegen ManU ohnehin fraglich war, für längere Zeit aus. Zumindest beim nächsten Spiel wird Wenger aber nicht auf seinen Topscorer angewiesen sein – es geht am Mittwoch im Carling Cup nur gegen Tottenham. [zurück]

Three nil to the Arsenal

Endlich wieder ein klarer Sieg, und dann auch noch gegen den „Erzfeind“ Tottenham. Wobei der Sieg so klar nun auch wieder nicht ist – im Grunde waren alle drei Tore sehr umstritten. Besonders unter Tottenham-Fans.
Meine Interpretation ist eher, dass nach so viel Pech ein wenig Glück nicht schadet. Oder, wie Arseblog sagt:

maybe there’s a bit of ying and yang going on there. (Arseblog)

henry-hugBei youtube kann man sich alle drei Tore ansehen. Meiner Meinung nach ist das Ergebnis gerechtfertigt, obwohl man die Tore nicht hätte geben müssen. So sieht es auch Tottenhams Trainer Martin Jol.
Das erfreuliche Ergebnis schlägt sich in einem dritten Tabellenplatz nieder – was sich allerdings fast stündlich ändern kann, so knapp sind die Plätze 3 bis 9.

Gerüchte, dass es Ärger zwischen Wenger und Henry gibt, werden von Henry ordnungsgemäß als eben solche enttarnt. Wenger hingegen gibt sich geheimnisvoll und droht im Newsletter:

I want to sit down with him and talk about where we go when he has recovered.

Gar nicht klug, jetzt so eine Unruhe zu verbreiten, denn Mittwoch geht es um alles. Mit einem Punkt kann man in Porto das Erreichen des Champions League-Achtelfinales sichern. Das wird ohne den noch lange verletzten Henry keine leichte Aufgabe, ist aber mit dem momentan in sehr guter Form spielenden van Persie schaffbar.

Vielleicht noch UEFA-Cup?

Nach einem katastrophalen Spiel gestern schreibt sogar Berufsoptimist Wenger die Meisterschaft ab:

We are too far behind. If you look at the number of points we have dropped and the way we have played it is really difficult to take. (Sky Sports)

Angstgegner Bolton knöpft den Gunners wieder mal 3 Punkte ab. Die 3-1-Niederlage war eine weitere bittere Vorstellung nach dem altbekannten Muster: wieder die erste Halbzeit verpennt, wieder ein frühes Gegentor, wieder ein bisschen Pech1. Vielleicht könnte man sich auch noch hinter der wirklich langen Verletzungsliste verstecken: Henry, van Persie, Rosicky und Gallas. Aber alle Ausreden oder Erklärungen ändern nichts an der Tatsache, dass die Gunners erneut ein Spiel verloren haben, dass sie hätten gewinnen können, ach was, müssen.

tableDie Tabelle sieht nun in der Tat beschissen aus. Wer die Meisterschaft unter sich ausmacht, ist spätestens jetzt klar. Alles andere ist nur noch ein – bis jetzt ausgesprochen offenes – Spiel um UEFA-Cup- oder Champions League-Plätze. Und wenn man sich Arsenals bisheriges Abschneiden in der CL ansieht, kann man selbst dort ins Zweifeln geraten.
Bereits am Mittwoch geht es weiter, gegen Fulham (Platz 11). Mittlerweile ist noch nicht einmal ein Sieg gegen eine solche 08/15-Mannschaft sicher.

Heute werde ich mich noch weiter frustrieren, indem ich mir ein wenig englischen Qualitätsfußball ansehe: es kommt zu dem Topspiel der Premier League, ManU gegen Chelsea. Dort kann Drogba erneut unter Beweis stellen, dass nicht Henry, sondern er der momentan gefährlichste und beste Stürmer der englischen Liga ist. Vielleicht, so Drogbas sehnlichster Wunsch, raffen das auch irgendwann mal die Computerspielprogrammierer:

It just seems my virtual copy doesn‘t play as well as the Henry character – although in real life, especially this season, I‘m better than him. (Sky Sports)

Lieber Herr Drogba, um das fachmännisch diskutieren zu können, müsste man zunächst wissen, auf welches Spiel Sie sich genau beziehen. Für PES 5 geht zumindest der Leistungsunterschied Henry-Drogba in Ordnung, weil Ersterer letzte Saison im Gegensatz zu Ihnen, Drogba, noch ziemlich durch die Decke gegangen ist.

  1. 3 Pfostenschüsse, ein Tor der Wanderers war Abseits und eine Rote Karte wurde nicht gegeben [zurück]

Erleichterung

Arse-HSV

Das war knapp.
Nachdem van der Vaart den HSV schon in der vierten Minute in Führung brachte, drängte sich das Bild der vergangenen Spiele auf: Arsenal verpasst ein frühes Tor oder kassiert sogar ein Gegentor und hat dann aufgrund einer ausgeprägten Abschlussschwäche große Schwierigkeiten, das Spiel noch zu gewinnen:

The game was following the same worrying script that has seen The Gunners fail to win a number of games at Emirates Stadium in recent weeks (Sky Sports)

rvanpDie schlechte Laune hielt sich bis zur 52. Minute, als van Persie den Ausgleich erzielte. Nach einem kurzen Rückschlag aufgrund einer gelben Karte für Henry (die ihn für das Endspiel der Gruppe gegen Porto ausfallen lässt) steigerten die Gunners sich immer mehr. Die Anstrengungen wurden dann auch mit einem Tor von Eboue (83′) und einem Kopfballtor von Baptista (88′) belohnt. Besonders auffällig waren die Verteidiger Toure und Eboue, und auch das eingewechselte Offensivtalent Walcott lässt einen entspannt in die Zukunft blicken. Senderos kehrte aus einer langen Verletzungspause zurück und durfte, weil Gallas sich im Training verletzt hatte, direkt durchspielen.
Letztlich habe ich doch bekommen, was ich wollte: einen deprimierten Thomas Doll. Obwohl es zum einen eine relativ schwere Geburt war und ich zum anderen, dass sei hier der Fairness halber festgehalten, gar nichts gegen den HSV-Trainer habe. Weiterhin ist positiv, dass Arsenal seine oben erwähnte Abschlussschwäche wenigstens in diesem Spiel überwunden und, wie man so schön sagt, über den Kampf ins Spiel gefunden hat.

Der Sieg gegen den für seine Verhältnisse überraschend gut spielenden HSV bringt Arsenal in eine relativ angenehme Position für das letzte Spiel der Gruppe G. Gegen Porto reicht ein Unentschieden, um die Gunners definitiv in das Achtelfinale einziehen zu lassen.
Zunächst steht am Samstag aber Bolton auf der Abschussliste – mit nur zwei Plätzen und einem Punkt Abstand auf Arsenal kein unwichtiges Spiel. Am Sonntag darf sich der Premiere League-Freund dann auf ManUChelsea freuen.