Kriminelle Piresen raus!

Das ungarische Meinungsforschungsinstitut Tárki hat Untersuchungen zur Xenophobie in Ungarn angestellt. Die Ergebnisse sind erschreckend: 68% der Befragten sprechen sich gegen die Einwanderung von Piresen nach Ungarn aus. Zwischen der ersten Umfrage im Juni 2006 und der zweiten im Februar 2007 stieg die Piresenfeindlichkeit der Ungarn sogar um weitere 9%. Während sich bei der ersten Umfrage besonders Arbeitslose mit geringer Bildung als piresenfeindlich herausstellten, verlagerte sich das Gewicht bei der Umfrage im Februar auf Linke, Gebildete und Wohlhabende.

piresen_rausGusztàv Megyesi kommentiert dies im linksliberalen Wochenblatt Élet és Irodalom:

Überraschenderweise werden die Piresen ausgerechnet von Linken und den wohlhabenden Bewohnern Westungarns gehasst. Sie hassen die Piresen in erster Linie, weil sie keinen einzigen Piresen kennen. Persönliche Begegnungen würden ihnen vielleicht helfen, Vorurteile abzubauen… (euro|topics)

Mit den von Satiriker Megyesi geforderten „persönlichen Begegnungen“ gibt es nur ein Problem: Es gibt keine Piresen. Das Meinungsforschungsinstitut hat sie extra für die Umfrage erfunden und damit auf den Punkt gebracht, wie irrational Fremdenfeindlichkeit ist. Ein ziemlich guter Einfall, von dem sich andere Umfrageinstitute hoffentlich inspirieren lassen. Vielleicht bekommen auch die Deutschen irgendwann ihre Piresen.


5 Antworten auf „Kriminelle Piresen raus!“


  1. 1 mkb 16. März 2007 um 16:14 Uhr

    Mecklenburg-Vorpommern hat sie schon. Nur heißen die dort ganz banal „Ausländer“. Die Anzahl der auf Heimaterde stattfindenen „persönlichen Begegnungen“ der MeckPommes mit sogenannten Ausländern dürfte mit hinreichender Genauigkeit der der Ungarn mit Piresen entsprechen.

  2. 2 Anonymous 20. März 2007 um 23:51 Uhr

    Piresen raus aus Ungarn!

    Umfrage entlarvt Fremdenhass

    Wien – Nach den Straßenkravallen der Vorwoche macht in Budapest ein Witz die Runde: Vielleicht sollten jene ungarischen Krawallbrüder, die ihre Wut über die Regierung von Ferenec Gyurcsany in Straßenschlachten freien Lauf ließen, Meinungsumfragen lesen.
    Diese belegen es nämlich schwarz auf weiß: Weder sind die regierenden Sozialdemokraten am angeblichen Ausverkauf Ungarns schuld, noch haben sie den viel beklagten Verfall des Sozialstaats und der ungarischen Nation zu verantworten. Schuld an allem Ungemach sind viel mehr die Piresen!
    Piresen also. Nie gehört? Kein Wunder – es gibt sie nicht. In einer Umfrage erlaubte sich das Meinungsforschungsinstitut Tarki den Spaß, die Ungarn nach ihrer Einstellung zu der frei erfundenen Volksgruppe der Piresen zu fragen. Was darauf den Fragestellern um die Ohren schallte, verwunderte sie selbst. Rund zwei Drittel der Befragten forderten entschlossen: „Kein Asyl für die Piresen!“ Eine andere beliebte Antwort lautete: „Piresen raus!“
    Das war im vergangennen Sommer. Als das Institut die Umfrage jetzt wiederholte, stieg die Piresenfeindlichkeit auf über 70 Prozent. Und noch etwas überraschte die Meinungsforscher: Reagierten bei der ersten Umfrage erwartungsgemäß Personen mit geringer Schulbildung und Arbeitslose besonders negativ auf die ach so bösen Piresen, gesellten sich bei der zweiten Auflage auffallend viele Linkswähler und begüterte Einwohner Westungarns dazu.
    So skurril die Piresenumfrage und ihre Ergebnisse auch sind, in ihrem Kern treffen sie ein weit verbreitetes Phänomen, das sich offenbar nicht nur auf die nationalistischen Kernwählerschichten der oppositionellen Fidesz-Partei von Viktor Orban beschränkt: die irrationale Fremdenfeindlichkeit der ungarischen Gesellschaft. Weitere Umfragen vervollständigen das Bild: Neunzig Prozent lehnen eine weitere Zuwanderung kategorisch ab, obwohl die Anzahl von Immigranten gerade bei 1,5 Prozent der Gesamtbevölkerung liegt. Besonders verbreitet ist überdies die Angst vor einer „Asiatenschwemme“. Dabei haben gerade 14 000 Personen aus dem Fernen Osten eine Aufenthaltsbewilligung in Ungarn, das sind 0,14 Prozent.
    Die Piresenumfrage hat inzwischen auch ungarische Satiriker auf die Bühne gerufen, die sich nicht nur über den hinterwäldlerischen Provinzialismus ihrer Mitbürger lustig machen, sondern auch über die offensichtlich misslungenen Versuche, durch Bewusstseinsbildung die Fremdenfeindlichkeit einzudämmen: Warum die Ungarn die Piresen so hassen? „Weil sie nie die Gelegenheit hatten, auch nur einen kennen zu lernen.“

    Von Piotr Dobrowolski, Wien
    Quelle: Stuttgarter Zeitung, 20.03.2007

  3. 3 jules 20. März 2007 um 23:56 Uhr

    Ich steige gerade nicht so dahinter, was mir der Artikel hier in den Kommentaren sagen soll…
    Libertärer Geist der ich bin, bleibt er so lange stehen, bis ich es mir anders überlege.

  4. 4 rose.eva 18. März 2009 um 10:59 Uhr

    Leider geht es nicht nur den Piresen so. Ich habe ein Haus in Nemesgörzsöny und erlebe die Praxis táglich. Wobei sich die Dorfnotarin besonders stark profiliert. Gipfel war 2006, als mein Haus angezündet wurde und die Notarin der Vespremer Polizei sagte – da ich so einen schlechten Charaker habe sei ich selbst schuld an dem Feuer. Anzeigen nimmt sie nicht an oder beantwortet sie mit formlosen Briefen, sodass der Rechtsweg versperrt ist. Das alles und viel mehr kann ich belegen. Ich bin faktisch Vogelfrei. Selbst Briefe an diverse Ministerien waren erfolglos, da wieder bei der Notarin nachgefragt und ihr geglaubt wurde.

  1. 1 Fremdenfeindlichkeit: Piresen raus « Meryems Welt Pingback am 23. Juli 2009 um 12:52 Uhr
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