Archiv für März 2007

Einstellungen zu Juden und Israel in der Schweiz

Und noch ’ne Studie im Newsticker-Style: Das Forschungsin- stitut gfs.bern hat in Kooperation mit der tachles-Herausgeberin JM Jü- dische Medien AG im Februar eine Befragung zu antijüdischen und antiisraelischen Einstellungen in der Schweiz durchgeführt. Heute ist die Studie (.pdf, 818KB) veröffentlicht worden.

Jüdische Jugendliche in Israel und Antisemitismus

Wie nehmen jüdische Jugendliche in Israel Antisemitismus wahr? Die ADL hat zu diesem Thema eine Erhebung durchgeführt (.pdf, 119kb).

Demokratie ist Bullshit

Harry G. Frankfurt, Philosoph, Princeton-Professor und Autor einer sich gut verkaufenden Erläuterung des Begriffes Bullshit, ist mir auch so einer:

Die Demokratie befördert ganz sicher die Produktion von Bullshit, weil Menschen in einer Demokratie zu dem Gedanken ermutigt werden, sie müssten sich über alles eine eigene Meinung bilden, und damit eben auch über Themen und Sachverhalte, von denen sie nicht die geringste Ahnung haben. Diese Meinungen sind dann nichts als Bullshit. Die Ermutigung zum Bullshit ist ein großer Fehler, eine zentrale Schwäche der Demokratie und auch eine große Gefahr. Es ist wirklich verheerend. (Cicero)

Voll der Provokateur. Aber es kommt noch dicker: Als der Interviewer zum akademischen Schwanzvergleich ansetzt und Habermas‘ herrschaftsfreien Diskurs ins Spiel bringt, lässt Frankfurt ihn eiskalt auflaufen:

John Maynard Keynes hat darauf hingewiesen, dass wir auf lange Sicht alle tot sein werden. Die Sache mit Habermas, ich weiß nicht recht. Es ist eine nette Idee, aber soweit ich sehe, entspricht sie einfach nicht unseren Erfahrungen. (Cicero)

Derlei rhetorische Manöver lernt man nur in Princeton, da bin ich sicher. Aber um noch einmal auf das erste Zitat zurückzukommen: Die Forderung ist, vereinfacht gesagt, dass man einfach die Fresse halten soll, wenn man keine Ahnung hat.1
Frankfurt sieht durch die in der Demokratie zugesicherte Freiheit, sich über alles eine Meinung bilden zu dürfen, die Wahrheit in Gefahr: Der Bullshitter schert sich im Gegensatz zum Lügner einen Dreck um die Wahrheit. Während Letzterer die Wahrheit als Faktum anerkennt, indem er sie leugnet, interessiert sich der Bullshitter gar nicht für die Wahrheit, weil er mit ihr nichts anfangen kann. Bullshit ist für Frankfurt also eine größere Gefahr für die Wahrheit als die Lüge.
Im Grunde beschreibt das ein ziemlich interessantes Problem. Die Tatsache, dass jeder eine Meinung haben darf, egal wie (un)qualifiziert sie ist, kann ja durchaus auch als eine große Stärke der Demokratie (und als Lebenselixier der Blogosphäre) interpretiert werden. Und überhaupt: Gibt es eigentlich „falsche Meinungen“? Und wenn ja, hat man das Recht auf eine falsche Meinung? Falls auch diese Frage bejaht wird: Hat man auch das Recht, auf den falschen Meinungen basierende falsche Entscheidungen zu treffen?
Ich will hier nicht bullshitten, aber im Gegensatz zu Frankfurt tendiere dazu, alle diese Fragen mit „Ja sichäää!“ zu beantworten. Wie immer auf diesem Blog ohne besondere argumentative Grundlage und aus dem Bauch heraus. Und weil ich meine Toleranz gegenüber falschen Meinungen gleich mal demonstrieren will, darf sich in den Kommentaren jeder seine eigenen Gedanken zu dem Thema machen. Ich bin gespannt.

  1. Wahrscheinlich ahnt er nicht, dass der Kabarettist Dieter Nuhr sein Publikum mit einer verblüffend ähnlichen Forderung amüsiert:

    Das ist so schrecklich, dass heute jeder Idiot zu allem eine Meinung hat. Ich glaube, das ist damals mit der Demokratie falsch verstanden worden: Man darf in der Demokratie eine Meinung haben, man muss nicht. Es wäre ganz wichtig, dass sich das mal rumspricht: Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten. (Wikiquote)

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Waltz for Debbie


Bill Evans (p), Larry Bunker (dr) und Chuck Israels (b) – Waltz for Debbie.

„Die neue Freiheit der Schwulen“

Der Mörtel aller institu- tionellen Eckpfeiler unserer Gesellschaft ist die Hetero- sexualität. (FAZ)

Trotz dieser Aussage stellt Dieter Bartetzko im FAZ-Feuilleton eine neue Freiheit der Schwulen fest, die dann aber doch irgendwie auf die Bereiche der Kunst und der Intellektualität beschränkt bleibt. Ergänzend dazu empfehle ich die Themenwoche des Magazins Rund über „Homosexualität und Homophobie im Spitzenfußball“ und einen SpOn-Artikel zum gleichen Thema.