Carling Cup Chaos

Gestern Abend wurde das Finale des Carling Cup ausgetragen. Der Carling (oder League) Cup ist sportlich gesehen alles andere als ein prestigeträchtiger Wettbewerb. Wenn aber, wie gestern, Arsenal und Chelsea aufeinander treffen, geht es immer um Prestige.
Für Arsenal hatte im kompletten Wettbewerb das B-Team gespielt, dessen Altersdurchschnitt im Vergleich zu Chelseas erster Mannschaft um acht Jahre niedriger liegt. In der ersten Halbzeit spielte das junge Team wesentlich besser, motivierter und offensiver, weswegen das Tor des 17-jährigen Theo Walcott in der 12. Minute absolut verdient war – im Gegensatz zu Drogbas Ausgleich 8 Minuten später.
In der zweiten Halbzeit gewann Chelsea mehr und mehr die Oberhand, das muss man bei allem Respekt für die Young Guns sagen. In der 56. Minute wurde Chelseas Kapitän John Terry von Arsenals Verteidiger Abou Diaby bei dem Versuch, einen Ball zu klären, mit voller Kraft ins Gesicht getreten. Vollspann sozusagen. Ziemlich heftige Bilder, am besten man schaut sich das Video selbst an.

Der Vorfall schien die unerfahrenen Gunners mehr zu schocken als die Blues, weswegen sich deren Dominanz noch erhöhte und ihren Ausdruck erst in zwei Lattentreffern und schließlich im 2-1 (84′) fand. Abermals war es Drogba, dieses Mal mit einem ziemlich perfekten Kopfball nach einer ziemlich exakten Flanke von Robben. Schwer bis unmöglich zu verteidigen wenn sich solche Spieler warmspielen.
Aufgrund der langen Behandlungszeit von Terry wurden sieben Minuten Nachspielzeit veranschlagt. Die Spieler beider Teams waren augenscheinlich nicht mehr sehr geschockt davon, dass ihr Kollege Terry noch vor einigen Minuten bewusstlos vom Platz getragen wurde – sie nutzen die Verlängerung für eine gemeinsame Rangelei („Schlägerei“ wäre übertrieben). In der Konsequenz wurden Toure und Adebayor (Arsenal) und Mikel (Chelsea) mit einer Roten Karte bedacht, und Fabregas und Lampard bekamen noch eine Gelbe Karte. Wer jetzt warum angefangen hat kann ich nicht sagen, und eigentlich ist es auch nicht wichtig.1 Detailliertere Analysen des Kampfgeschehens gibt es bei Arseblog. Mittlerweile waschen natürlich alle Beteiligten ihre Hände in Unschuld.

Chelsea hat das Spiel verdient gewonnen, keine Frage. Aber Arsenal ist mit seinem B-Team auch verdient ins Finale gekommen und hat sich dort teuer verkauft – eine mindestens gleichwertige Leistung. Und diesen dämlichen, unwichtigen Cup wollte Arsenal sowieso nie wirklich. Ich möchte hier noch einmal hervorheben, wie unwichtig der Carling Cup ist. Es ist kein Problem für Arsenal, mal ein paar Jahre lang nichts zu gewinnen. Mal ganz abgesehen davon, dass der Carling Cup in sportlicher Hinsicht faktisch wertlos ist.

Zu den guten Nachrichten des Abends gehört, dass John Terry bereits wieder an den Feierlichkeiten seines Teams teilnehmen konnte. Offensichtlich war seine Verletzung nicht so schwer wie befürchtet. Außerdem haben die Young Guns über weite Strecken sehr überzeugend gespielt, nicht selten wurde Chelsea von den Teenagern richtiggehend dominiert. Auch Mourinho muss zugeben, dass hier eine Mannschaft mit großem Potential am Start ist. Ich freue mich darauf, wenn Spieler wie Denilson (17), Walcott (17), Traore (17), Diaby (19) und natürlich der schon jetzt großartige Fabregas (19) mal Mitte 20 sind. Dann wischen sie sich mit dem Carling Cup den Arsch ab, ich schwörs.

  1. Meines Erachtens konnte man aber deutlich erkennen, dass die Gunners insgesamt stärker sind als die Blues. [zurück]