Archiv für Februar 2007

Carling Cup Chaos

Gestern Abend wurde das Finale des Carling Cup ausgetragen. Der Carling (oder League) Cup ist sportlich gesehen alles andere als ein prestigeträchtiger Wettbewerb. Wenn aber, wie gestern, Arsenal und Chelsea aufeinander treffen, geht es immer um Prestige.
Für Arsenal hatte im kompletten Wettbewerb das B-Team gespielt, dessen Altersdurchschnitt im Vergleich zu Chelseas erster Mannschaft um acht Jahre niedriger liegt. In der ersten Halbzeit spielte das junge Team wesentlich besser, motivierter und offensiver, weswegen das Tor des 17-jährigen Theo Walcott in der 12. Minute absolut verdient war – im Gegensatz zu Drogbas Ausgleich 8 Minuten später.
In der zweiten Halbzeit gewann Chelsea mehr und mehr die Oberhand, das muss man bei allem Respekt für die Young Guns sagen. In der 56. Minute wurde Chelseas Kapitän John Terry von Arsenals Verteidiger Abou Diaby bei dem Versuch, einen Ball zu klären, mit voller Kraft ins Gesicht getreten. Vollspann sozusagen. Ziemlich heftige Bilder, am besten man schaut sich das Video selbst an.

Der Vorfall schien die unerfahrenen Gunners mehr zu schocken als die Blues, weswegen sich deren Dominanz noch erhöhte und ihren Ausdruck erst in zwei Lattentreffern und schließlich im 2-1 (84′) fand. Abermals war es Drogba, dieses Mal mit einem ziemlich perfekten Kopfball nach einer ziemlich exakten Flanke von Robben. Schwer bis unmöglich zu verteidigen wenn sich solche Spieler warmspielen.
Aufgrund der langen Behandlungszeit von Terry wurden sieben Minuten Nachspielzeit veranschlagt. Die Spieler beider Teams waren augenscheinlich nicht mehr sehr geschockt davon, dass ihr Kollege Terry noch vor einigen Minuten bewusstlos vom Platz getragen wurde – sie nutzen die Verlängerung für eine gemeinsame Rangelei („Schlägerei“ wäre übertrieben). In der Konsequenz wurden Toure und Adebayor (Arsenal) und Mikel (Chelsea) mit einer Roten Karte bedacht, und Fabregas und Lampard bekamen noch eine Gelbe Karte. Wer jetzt warum angefangen hat kann ich nicht sagen, und eigentlich ist es auch nicht wichtig.1 Detailliertere Analysen des Kampfgeschehens gibt es bei Arseblog. Mittlerweile waschen natürlich alle Beteiligten ihre Hände in Unschuld.

Chelsea hat das Spiel verdient gewonnen, keine Frage. Aber Arsenal ist mit seinem B-Team auch verdient ins Finale gekommen und hat sich dort teuer verkauft – eine mindestens gleichwertige Leistung. Und diesen dämlichen, unwichtigen Cup wollte Arsenal sowieso nie wirklich. Ich möchte hier noch einmal hervorheben, wie unwichtig der Carling Cup ist. Es ist kein Problem für Arsenal, mal ein paar Jahre lang nichts zu gewinnen. Mal ganz abgesehen davon, dass der Carling Cup in sportlicher Hinsicht faktisch wertlos ist.

Zu den guten Nachrichten des Abends gehört, dass John Terry bereits wieder an den Feierlichkeiten seines Teams teilnehmen konnte. Offensichtlich war seine Verletzung nicht so schwer wie befürchtet. Außerdem haben die Young Guns über weite Strecken sehr überzeugend gespielt, nicht selten wurde Chelsea von den Teenagern richtiggehend dominiert. Auch Mourinho muss zugeben, dass hier eine Mannschaft mit großem Potential am Start ist. Ich freue mich darauf, wenn Spieler wie Denilson (17), Walcott (17), Traore (17), Diaby (19) und natürlich der schon jetzt großartige Fabregas (19) mal Mitte 20 sind. Dann wischen sie sich mit dem Carling Cup den Arsch ab, ich schwörs.

  1. Meines Erachtens konnte man aber deutlich erkennen, dass die Gunners insgesamt stärker sind als die Blues. [zurück]

„A Beautiful Game Turned Ugly“

Eine ESPN-Dokumentation über Rassismus im europäischen Fußball: „A Beautiful Game Turned Ugly“

PSV 1-0 Gooners

PSV Eindhoven schlägt Arsenal in der Hinrunde des CL-Achtelfinales 1-0. Keine ideale Ausgangslage, aber noch ist nichts verloren – ich bin gespannt auf das Rückspiel am 7.3. in London.

Erika Steinbachs feuchte Träume

Das heute zum ersten Mal erschienene Aufklärungsmagazin SPIEGEL SPECIAL GESCHICHTE wartet zur Premiere direkt mit interessanten Umfrageergebnissen auf:

Als historische Ereignisse, auf die man mit Stolz blickt, nannten die befragten Deutschen neben den üblichen Verdächtigen Mauerfall (28%) und Wiederaufbau/Wirtschaftswunder (12%) auch ein Ereignis von epochalem Ausmaß: die Fußball-WM 2006 (7%). Klar, dass Kinkerlitzchen wie die Gründung der BRD und die demokratische Grundordnung (9%) dagegen ziemlich abkacken – 1949 gab es einfach noch keine Autofähnchen und weniger Freibier.
In Anbetracht dieser Einordnung ruft jedoch die Vernachlässigung der Handball-WM 2007 Unverständnis und Irritationen hervor. Immerhin sind wir hier mal wieder Sieger geworden, haben die Polen geklatscht und Freibier gab es bestimmt auch. Warum diesem bahnbrechenden historischen Ereignis nicht die entsprechende Bedeutung beigemessen wird (ca. 20%), ist mir ein Rätsel.

Bis hier sind die Ergebnisse bis auf die eigenwillige Einordnung der Fußball-WM 2006 noch recht gewöhnlich. Interessant wird es im Folgenden, und nun kommt auch die schärfste Vertriebene des Universums, Erika Steinbach (89), ins Spiel.
erika s.Der Umfrage zufolge empfinden 24% der befragten Deutschen Schlesien und Ostpreußen nach wie vor als deutsch. Ebenfalls 24% (vermutlich sogar exakt die gleichen Personen) finden es falsch, dass die BRD sich vertraglich verpflichtet hat, für immer auf Schlesien und Ostpreußen zu verzichten. Dadurch hat man sich, so scheint der verbitterte Gedankengang, die Tür zur Erweiterung des Lebensraums im Osten für immer zugeschlagen. Folgerichtig bedauern 40%, dass (Opa umsonst gekämpft hat und) diese ehemals deutschen Gebiete seit dem 2. WK nun zu anderen Ländern (Polen, Litauen und Russland) gehören.1
Wenn Frau Steinbach (112) gescheit ist (und ich weiß, dass sie blitzgescheit ist), dann erkennt sie das Potential, dass noch immer im deutschen Volk schlummert. Sie muss die ungeheure Schlagkraft, die ihre Bewegung BdV scheinbar mehr denn je entwickeln kann, jetzt voll ausschöpfen. Vermutlich stand die füllige Mittneunzigerin nie so kurz davor, auf den Bauernhof ihrer Eltern in Polen zurückzukehren.

  1. Vor dem Hintergrund dieser gebietspolitischen Niederlagen wundert es übrigens fast, dass noch fast 50% der Deutschen die nationale Geschichte insgesamt positiv sehen. [zurück]

Gehorsames Belgien

In Belgien sorgt eine Studie über das Mitläufertum in NS-Zeiten gerade für ziemliche Aufregung. Der Hauptautor von „Das gehorsame Belgien“, Rudi Van Doorslaer, erklärte,

eine „fremdenfeindliche und teilweise antisemitische Kultur der regierenden Elite“ in den 30-er Jahren habe Belgien psychologisch auf die Judenverfolgung vorbereitet. (Kölner Stadt-Anzeiger)

Auf 1114 Seiten wird der Zeitraum von 1930 bis 1950 behandelt. Die Printausgabe der SZ zitiert die Studie, dass es ab 1941 in Belgien einen Wechsel von einer „passiven zu einer aktiven Kollaboration“ gab.
Der belgische Ministerpräsident Guy Verhofstadt will, dass die Erkennt- nisse der Studie in die Schulbücher aufgenommen werden.