Deutsche Zustände

fes_vom_rand_zur_mitteDie Friedrich Ebert Stiftung hat gestern zusammen mit der Uni Leipzig eine Studie veröffentlicht, mit der die Verbreitung eines rechten Weltbildes in Deutschland untersucht werden sollte: „Vom Rand zur Mitte“ (.pdf, 685 kb).
Die Untersuchung soll die Annahme widerlegen, dass rechte Überzeugungen gesellschaftliche Randerscheinungen sind:

Die knallharten Rechtsextremisten sind nicht ostdeutsche Jungmänner, sondern westdeutsche Opas. (taz)

Pünktlich am 9. November kommt man in Deutschland zu der Erkenntnis1, dass
43,8% der Ostdeutschen und 35,2% der Westdeutschen glauben, dass Ausländer nur nach Deutschland kommen, „um unseren Sozialstaat auszunutzen“.
39,1% finden, dass die Bundesrepublik „durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet“ sei.
26,7% der Deutschen ausländerfeindlichen Aussagen zustimmen.
26% sich nach einer einzigen Partei sehnen, von der die „Volksgemeinschaft“ verkörpert werde.
15,2% meinen, es sollte einen Führer geben, „der Deutschland zum Wohle aller mit starker Hand regiert“.
Fast 15% sich überzeugt zeigen, dass die Deutschen anderen Völkern „von Natur aus überlegen“ seien.
Mehr als 10% der These zustimmen, es gebe „wertvolles und unwertes Leben“.
8,6% der Befragten ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild haben.

Auch Antisemitismus ist der Studie zufolge weit verbreitet:
17,8% der Befragten geben an, dass „der Einfluss der Juden zu groß“ sei.
13,8% meinen, die Juden arbeiteten mit üblen Tricks, um das zu erreichen, was sie wollen.

Zu der eingangs erwähnten Annahme, dass Rechtsextremismus nur an den Rändern der Gesellschaft zu finden sei, präsentieren die Forscher unter anderem dieses Ergebnis:
12,3% der Akademiker sind ausländerfeindlich, 4,1% antisemitisch, und 2,8% verharmlosen den Nationalsozialismus.

„Rechtsextrem ist eigentlich ein irreführender Begriff“, so Decker. „Selbst Menschen, die sich selbst als ‚links’ bezeichnen, lehnen nicht alle rechtsradikalen Aussagen ab.“ (haGalil)

Ich „freue“ mich schon darauf, dass die üblichen Empörungsprofis ganz routiniert die üblichen Betroffenheitsphrasen rausposaunen.
Übrigens bildet die Umfrage des ARD-Deutschlandtrend, nach der 51% der Deutschen unzufrieden mit der Demokratie als Staatsform sind, einen interessanten Hintergrund zu diesen Ergebnissen.

  1. Diese Formulierung trifft eigentlich nicht ganz zu, denn die Ergebnisse der Studie sind alles andere als neu:

    Im Vergleich zu zwei Vorgängerstudien in den Jahren 2002 und 2004 stellten die Autoren keine wesentlichen Veränderungen fest. (SZ)

    Abgesehen davon kommt Heitmeyer mit seinen Deutschen Zuständen jährlich zu ähnlichen(!) Ergebnissen.
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