Archiv für August 2006

Alle Arsch lecken!

lago


Gerade habe ich eine relativ wichtige Klausur geschrieben. Und ab jetzt heisst es 7 Tage lang: Arsch lecken. Alle Arsch lecken!
Ich bin im Urlaub. Ohne Internet. Adieu Zivilisation.

Wer trotzdem hin und wieder auf mein Blog klicken will, damit die Besucherzahlen nicht in den dreistelligen Bereich sinken, ist herzlich dazu eingeladen. Der am häufigsten auftauchende Referer bekommt ein Geschenk per Post zugeschickt. Der am seltensten auftauchende Referer kriegt eins auf die Fresse.

In einer Woche gibt es dann hier wieder den gewohnten, knallharten, investigativen Gossenjournalismus, den alle so lieben.

Ein bisschen verspätet will ich eben schnell meinen Senf zu der Gruppenauslosung der CL abge- ben: Arsenal ist mit dem HSV, dem FC Porto und CSKA Moskau in einer Gruppe. Das ist mehr als schaffbar. Hamburgs Trainer Thomas Doll macht sich mit Recht schonmal vor- sorglich in die Hose:

Unser großes Ziel ist es, das Achtelfinale zu erreichen. Diese Mög- lichkeit besteht. Sicher sind Arsenal und Porto die Favoriten, aber man sollte uns auf der Rechnung haben. (da)

Ich lach‘ mich kaputt. Heute geht es erstmal gegen Manchester City darum, Chelseas Ausrutscher ge- gen Middlesbrough auszunutzen. Und wenn Wenger es dann noch schafft, Mascherano zu holen, geb‘ ich einen aus.

Demokratie galore

Die Titanic verlinkte vor einigen Tagen eine Abstimmung des CDU-Ortsverbandes Nabburg. Die Frage:

Finden Sie, dass demokratisch gewählte Politiker das Recht haben sollten Andersdenkende aus der Stadt zu jagen? (hier)

Knifflige Frage. Das Ergebnis fällt auch denkbar knapp aus: 4369 sagen entschieden „Nein“, während sich 5965 vernünftige Menschen finden, die das befürworten.
In der Stellungnahme wundert man sich dann, dass „einzelne durch gezielte Manipulation des Umfrageergebnisses ein falsches Bild […] zeichnen“. Um genau zu sein 5965 Einzelne.

Großartig.
Aber die SPD hat bereits gekontert.

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Update:
Wenn ich nicht innerhalb von 24 Stunden eine Stellungnahme eines „andersdenkenden Nabburger Bürgers“ bekomme, werde ich nie wieder CDU wählen!

Sexualkunde

Mit Funny van Dannen:

Vor vielen, vielen Jahren, als die Hoden noch unabhängig und ungebunden waren, hüpfte einer lustig durch das Unterholz eines Dschungels. Er war so übermutig, dass er gar nicht bemerkte, wie sich über ihm ein böses Unwetter zusammenbraute.
Auf einmal brach der Himmel auf, und große Wassermassen prasselten mit einer solchen Wucht auf die Erde, dass viele Bäume in sich zusammenbrachen, also nicht einfach umknickten, sondern richtig in sich zusammenbrachen, so als hätte sich ein riesiger Fettsack auf sie gesetzt.
hoden1Der Hoden geriet in einen reißenden kleinen Bach und wurde in einen Fuchsbau gespült. Da hockte ein alter Fuchs und lachte: Na sowas! Hat man auch nicht alle Tage, dass einem ein Frühstücksei vors Maul gespült wird!
Der Hoden, ich glaube, er hieß Ramona (damals wurde noch nicht nach Mädchen- und Jungennamen unterschieden), war noch viel zu mitgenommen, um irgendwie zu reagieren. Er spürte, wie ihn der Fuchs mit seiner Schnauze in eine kühle Ecke schob, und schlief vor Erschöpfung ein.
Als er aufwachte, hörte er den Fuchs mit einer mächtigen Forelle reden. Es interessiert mich gar nicht, rief der Fuchs, ob du Familie hast. Die Flut hat dich in meine Höhle gespült, und jetzt gehörst du mir. Ich kann dich sofort auffressen, oder später, aber ich werde dich bestimmt nicht zum Fluss zurückbringen. Das ist nicht meine Art!
Weißt du denn überhaupt, wie ich schmecke?, fragte die Forelle, und in diesem Moment erinnerte sich Ramona an das Frühstücksei und wollte aus der Höhle schleichen.
Guck mal!, rief die Forelle. Da läuft ein Ei!
Der Fuchs drehte sich um, und die Forelle nutzte den Augenblick der Ablenkung, um abzuhauen. Das machte sie sehr raffiniert: Sie fing an zu laichen und rutschte dann rückwärts über den Laich ins Freie. Als Ramona den Fuchs auf sich zukommen sah, drehte er den Spieß einfach um und rief: Guck mal! Die geht ja über Laich! So entstand die weltberühmte Redewendung.
Wieder drehte der Fuchs sich um, und dieses Mal musste er lachen. Das ist ja echt das Größte!, schrie er vor Begeisterung über die einfallsreiche Forelle. Mit ein paar Sprüngen war er bei ihr und verschlang sie unzerkaut, dann schleckte er den Laich noch weg und wollte wieder zu Ramona.
Der stand da und atmete ganz ruhig. Er hatte mit dem Leben abgeschlossen und hoffte darauf, auch unzerkaut verschluckt zu werden. So kam es dann auch, Gott sei Dank! Der Fuchs schlürfte Ramona ein wie eine Nudel, und im Magen traf er die Forelle. Sie lebte, und weil sie immer noch ein Raubfisch war, schnappte sie nach Ramona mit ihren kleinen spitzen Zähnen.
Es entwickelte sich im Dunkeln eine Verfolgungsjagd auf engstem Raum. Dem Fuchs wurde schlecht, doch rechtzeitig begann die Magensäure den Elan der hyperaktiven Nahrung zu stoppen. Der Fuchs rülpste, dann war endlich alles still.
Der Fuchs ging an die frische Luft. Da packte ihn das Faultier Pedro und würgte ihn erbarmungslos, weil der Fuchs Pedros Faulheit einige Male ausgenutzt und ihn sexuell belästigt hatte.
hoden2Du sollst meine Teilnahmslosigkeit nicht noch einmal mit Einverständnis verwechseln!, brüllte das Faultier dem schon toten Fuchs ins Ohr. Dann biss er seinen buschigen Schwanz ab und klemmte ihn sich hinten unters Stirnband. Da werden die Weiber Augen machen!, dachte das Faultier und schleppte sich von dieser Aussicht euphorisiert durch den aufgeweichten Wald.
So war das damals, und weil es den Hoden oft so schlecht erging, beschlossen sie irgendwann, es paarweise zu versuchen und sich zusammen mit den Penissen, die vielerorts sinnlos herumhingen, den Männchen als Fortpflanzungsorgane anzudienen, nachdem die Weibchen abgewunken hatten: zu extrovertiert für untenrum!
Die Männchen nahmen das Angebot an, obwohl sie noch nie was von Fortpflanzung gehört hatten und sich darunter außer Grünzeug wegschaffen auch gar nichts vorstellen konnten, denn bis dahin hatte Gott die Weibchen alle selbst befruchtet und die Männchen als bewegungsfreudige Formvariante hingenommen.
Früher waren die Männchen neidisch auf die Frauen gewesen, jetzt hatten sie endlich auch was zwischen den Beinen!
Es dauerte natürlich noch viele Jahre, bis das neue Regenerationsmodell so weit entwickelt war, dass Gott sich zurückziehen und neue Ideen verwirklichen konnte, aber die Hoden hatten es geschafft: Sie waren wichtig geworden. (Funny van Dannen – Neues von Gott)

Ein witziges Buch. Man hat nach dem Lesen, genau wie bei Büchern von Max Goldt und vor allem Helge Schneider, ein bisschen das Gefühl, sich mit einer ausschließlichen Aneinanderreihung von totalem Nonsens beschäftigt zu haben. Und mit der Zeit kann es auch etwas anstrengend werden, den abgehobenen und unzusammenhängenden gedanklichen Sprüngen dieser Autoren zu folgen. Aber unterhalten wird man trotzdem aufs vortrefflichste. „Es ist“, so möchte der zufrieden grinsende Leser es auf den Punkt bringen, „kurzweilig.“

Heute ist die Premier League gestartet, und ich durfte das wich- tigste Spiel via Livestream im chinesischen Fernsehen verfolgen: Arsenal hat beim ersten Punktspiel im neuen Stadion gegen Aston Villa nur ein 1:1 geschafft. Für einen selbsternannten Titelaspiranten ist das ein recht schwacher Auftakt. Einen der wenigen positiven Aspek- te lieferte der 17-jährige Theo Wal- cott, der Gilberto nach seiner Ein- wechslung die Vorlage für den Aus- gleich in der 84. Minute lieferte. Das 0:1 hat wohl Jens L. verbockt. Zu- sammenfassungen: 1. Halbzeit, 2. Halbzeit.