Archiv für Juni 2006

Diese Rooneys…

Ich wusste gar nicht, was für einen netten Onkel Englands Fußballhoffnung Wayne Rooney hat:

roooooney!Vorgestern habe ich den in Bremen lebenden Germanisten, Philosophen und gelernten Boxer (!) Dr. Martin Rooney noch im TV gesehen, wie er in einem angeranzten Wohnzimmer und einer unglaublich schlecht sitzenden Jeans vor seinem Fernseher krakeelte, weil die Engländer so schlecht spielten – eine durchweg sympathische Type.
Diesen Eindruck festigte er heute mit einem sehr vernünftigen Interview in der Jungle World:

Glauben Sie, dass Deutschland aus seiner Vergangenheit gelernt hat und der Verantwortung gegenüber den Opfern der Nazi-Zeit gerecht wird?
Man hat zwar einiges an materieller Hilfe für Israel geleistet, aber ich erinnere an eine Umfrage aus dem Jahr 2003, da waren 65 Prozent der Deutschen der Meinung, Israel stelle die größte Gefahr für den Weltfrieden dar, 50 Prozent meinten, dass die Israelis mit den Palästinensern genauso umgingen wie die Nazis mit den Juden. Und 85 Prozent der Deutschen sind gegen weitere Waffenlieferungen an Israel. Diese Umfrage ist eine bestürzende Diagnose der Probleme in Deutschland 61 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz.“ (Jungle World)

Weiterhin hat er sich 2003 durch einen Leserbrief an die taz hervorgetan, in dem er

„die Naivität der Bremer Friedensdemonstranten beklagt hatte, die zwar die US-Politik, aber nicht das verbrecherische Regime Saddam Husseins verdammten. Diese Form der Tugendwächterei zeigt laut Rooney, dass man aus den Ereignissen im Nazi-Deutschland nichts gelernt habe“ (hier)

Nach dieser durchweg korrekten Aussage ging natürlich ein Aufschrei durch Deutschlands Friedensbewegung: ihm wurde der Friedenspreis der Villa Ichon, für den er bereits nominiert war, wieder aberkannt. Auch die AG Friedensforschung an der Uni Kassel war empört. Passenderweise ist man dort auch gleich empört über die „Treibjagd“ Israels gegen den Iran und hält es bezüglich des Friedensprozesses im Nahen Osten nicht für förderlich, dass es sich „lautstark und aggressiv in den Vordergrund drängt“. Ach ja, und der Iran wird schon eine atomare Bewaffnung anstreben, denn man ist sich sicher: „Dumm ist der Iran wahrscheinlich nicht.“

Wie gesagt, einen sehr sympathischen Onkel hat der Wayne da.

___________________________________
Update:
Martin Rooney ist der Times zufolge ein „Hoaxer“, der sich nur für Waynes Onkel ausgibt und die Medien an der Nase herumführt. Wayne hat noch nie etwas von seinem Verwandten gehört.
Naja, das macht seine politischen Ansichten nicht falsch.

Hello Modeselektor!

Sehr gute Muzik.
modelselektorModeselektor, auf bpitch control. Vom 2005er Album kann man sich den einen oder anderen Track mal anhören oder die Jungz live angucken.
Geht gut ab. Sagt auch das Label:

„„hello mom“ funktioniert wie ein sampler für akut geile, zeitgenössische elektronische musikpimperei. urbane worthülsen wie elektro-idm, booty-house, eurocrunk, tech-rap, continental-grime, ghettobass, dubstep und derlei sollten in modeselektors bearbeitung selbst die gelangweiltesten alleskenner vom hocker hauen.“ (bptchctrl)

Apropos „gelangweilte Alleskenner vom Hocker hauen“: auch Gesichtselfmeter Thom Yorke ist Fan von Modeselektor. Wenn das nicht auch den letzten Zweifler überzeugt…

LSD im Gefecht – das kommt schlecht


Hier gefunden.

Trikottausch

new arsenal kitSeriöse Quellen enthüllen, wie das neue Arsenal-Heimtrikot für die Saison 06/07 aussehen wird. Naja, ich bin nicht wirklich begeistert. Sieht nach Mitte der 90er aus, und die goldenen Streifen wirken völlig deplaziert. Ich frage mich, wie die ansonsten sehr fähigen Nike-Designer so einen Scheiß entwerfen konnten.
Während ich mich außerdem spielend mit dem alten Sponsor O2 identifizieren konnte, gelingt mir das bei dem neuen Hauptsponsor Emirates überhaupt nicht. Der hat zwar das neue ca. 600 Millionen Euro(!) teure „Emirates-Stadium“2 mitfinanziert, sich aber auch schon darüber aufgeregt, dass Arsenal einen Deal mit dem israelischen Tourismusministerium eingegangen ist:

„The Arsenal-Israel tie-up is unfortunate and we are obviously not happy. We will do our best to persuade Arsenal not to renew its deal with Israel.“ (hier)

Dann lieber weiter im alten Stadion.

Ich werde mir also ein Trikot der Saison 05/06 kaufen, wahrscheinlich das Auswärtstrikot.
Sieht hervorragend aus, oder?

  1. Nur zum Vergleich: Bayerns Blockhütte hat ungefähr die Hälfte gekostet. [zurück]

Wachablösung amerikanischer Nazigruppen

nsm-nazi In den USA kommt es zur Zeit zu einer Verschiebung innerhalb der Naziszene.
Mit Verbänden in 32 Staaten ist das paramilitärisch strukturierte National Socialist Movement (NSM), deren Mitglieder Nazi-Uniformen tragen und Hakenkreuzflaggen schwenken, mittlerweile die größte neo-nazistische hate group der USA. Die 1974 gegründete Bewegung mit Sitz in Minneapolis hat sich in den letzten Jahren besonders durch Kooperationen mit anderen Gruppen (z. B. dem KKK) gestärkt, während die viele Jahre zuvor dominante National Alliance durch die Inhaftierung ihres Vorsitzenden Shaun Walker und, ebenso wie die Aryan Nations, durch einen langjährigen Mitgliederschwund geschwächt wurde. Im Gegensatz dazu konnte das NSM durch viele Kundgebungen, Versammlungen und Literaturveröffentlichungen eine hohe mediale und szeneinterne Aufmerksamkeit erreichen und so neue Mitglieder, innerhalb und ausserhalb Nazi-Szene, anwerben. Trotz steigender Tendenz hat das NSM aber bis jetzt nur 200-300 Mitglieder. Doch die hate group bemüht sich weiterhin um Mitglieder und Aufmerksamkeit: man hat die neuen Medien für sich genutzt und kann mittlerweile auf eine stark wachsende Internetpräsenz, ein Onlineradio und auf das im Januar 2006 gegründete white power-Plattenlabel „NSM Records“ verweisen. Darüber hinaus hat die hyperaktive Bewegung weitere Pläne:

„NSM has announced plans for the release later this summer of an anti-Semitic video game called „ZOG Shooter,“ whose object is to kill minorities and Jews. ZOG is a racist abbreviation for „Zionist Occupied Government.“" (TMCnet)

Wie sich das Wachstum dieser Gruppe entwickeln wird, ist unklar. Trotz der Bemühungen kommt es scheinbar schon jetzt zu internen Zerwürfnissen:

„In February 2006, Bill White, NSM’s media liaison, and other NSM members themselves disrupted a rally held by the anti-immigrant Minutemen in Washington, D.C., calling them „sellouts“ because they were not radical enough.
Bill White’s leadership position within NSM has caused problems for the organization. White, known for spreading propaganda about perceived enemies, including other white supremacists, has created tension between NSM and the Vinlanders Social Club, an umbrella organization of racist skinhead groups, mostly from the Midwest and Southwest.“ (ADL)

Die mediale Aufmerksamkeit wurde dem NSM sogar schon in Deutschland zuteil, ich kann mich an einen Beitrag bei Spiegel TV oder so erinnern, in dem ein Grüppchen in Naziuniformen und eine doppelt so große Gruppe von Gegendemonstranten sich anbrüllen. Ein Grund, warum man bei Spiegel TV über den Aufmarsch berichtet hat, dürfte der Sensationsfaktor der Bilder sein: Nazis, die äußerlich wie aus einem Aufmarsch von vor 65 Jahren wirken, haben einfach ein höheres „Ohooo“– und „Ahhh“-Potential als die Milchgesichter des Grauens, die hier teilweise rumrennen. Wie schon bei den „Prussian Blue“-Zwillingen, deren Video jahrelang durch das Internet geisterte, kann man sich hier in Deutschland gemütlich furzend zurücklehnen und die skurrilen Blüten bestaunen, die das freie Land treibt…